CINEMA ITALIA 2020 – LA SCOMPARSA DI MIA MADRE (Das Verschwinden meiner Mutter)

Italien 2019, ital. O.m.U., 94 Min.
Kamera, Buch und Regie: Beniamino Barrese
Darsteller: Benedetta Barzini, Beniamino Barrese, Lauren Hutton, Michela Rossi

Was für eine Karriere: Jet-Set-Supermodel, engagierte Feministin, Journalistin und Dozentin – Benedetta Barzini hat in ihrem Leben schon einige Widersprüche verbunden. In den 60er Jahren posierte sie für die „Vogue“ und andere Modemagazine, war Muse von Andy Warhol und Salvador Dalì. Später wurde sie zur eloquenten feministischen Kritikerin der Modebranche. Mit 75 Jahren hat Benedetta mit ihrem früheren Leben und ihrer Umwelt abgeschlossen und will verschwinden. Dass ihr Sohn Beniamino nun einen Film über sie drehen will, löst zwischen den beiden eine unerwartete Zusammenarbeit und zugleich Konfrontationen vor der Kamera aus.
Das faszinierende Porträt einer außergewöhnlichen Frau und zugleich ein sehr persönlicher Film über eine komplexe Mutter-Sohn-Beziehung.

„Seit ich sieben Jahre alt war und mein Vater mir eine Filmkamera schenkte, ist Filmen für mich zur Strategie geworden, um Erfahrungen und geliebte Menschen festzuhalten, um sie vor dem Lauf der Zeit zu retten. Ich habe versucht, mit meiner Mutter das gleiche zu machen – es war jedoch nie leicht, sie vor die Kamera zu bringen. Ich spürte eine Art Scheu ihr gegenüber. Es schien mir unmöglich, sie in einem Bild festzuhalten. Sie war zu viel von allem: zu schön, zu intelligent, zu charismatisch, zu aggressiv, zu stark, zu tief, zu besonders. Obwohl wir seit jeher eine sehr enge Beziehung haben, war sie mir immer ein Rätsel. Was macht man, wenn die eigene Mutter sagt, dass sie für immer weggehen möchte? Diesen Film zu drehen war mein Versuch, darauf eine Antwort zu finden.“
BENIAMINO BARRESE
„Benedetta Barzini war nicht nur ein Fotomodell von internationalem Ruhm, sondern auch bereit, kämpferisch die Ambivalenz und die Widersprüche der Mode- und Medienwelt zu entlarven. Ihr Sohn Beniamino filmt sie heute, mit 75, wo ihr alles immer unerträglicher wird und sie nochmals ihr Leben verändern möchte. Das Filmprojekt wird zu einer Art Kampf mit komödiantischen Momenten, in denen sie kritisiert und nörgelt, sich und andere in Frage stellt, während Bilder von ihr aus unterschiedlichen Zeitabschnitten gezeigt werden. Zum Vorschein kommt das Porträt einer Frau, die nichts dafür tut, glamourös zu wirken, das Recht auf ihr eigenes Bild beansprucht, ohne daran Gefallen zu finden, und so am Ende von dem Film Besitz ergreift.“
EMILIANO MORREALE, LA REPUBBLICA
Beniamino Barrese (*1986) studierte Philosophie und Ökonomie in Mailand und London und machte dann seinen Master in Kinematografie an der Nationalen Film- und Fernsehschule in Beaconsfield. Als Kameramann drehte er Kurzfilme im dokumentarischen und fiktionalen Bereich, Musik- und Modefilme sowie Werbung. LA SCOMPARSA DI MIA MADRE ist sein erster Langfilm.

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