L’OPERA SILENZIOSA (Teatro Massimo, Palermo 1986)

D 1986 – 80 Min. – Deutsches Filmerbe – restauriert und digitalisiert 2021 – italienisch O.m.U. – In Anwesenheit des Regisseurs Wolf Gaudlitz
Regie und Buch: Wolf Gaudlitz
Kamera: Claus Langer
Musik: Rossini, Puccini, Mascagni und die nicht stillschweigende Stadt Palermo
Darsteller: Jean Schlegel, Giuseppe di Stefano, Simone Genovese, Leoluca Orlando

Ein berühmter Schriftsteller und Musiker aus Genf (Jean Schlegel, 1947 – 2005, in der Rolle des fiktiven Isidor Gondlowitz) reist von Genf nach Palermo, um ein Buch über eines der größten Theater der Welt, das TEATRO MASSIMO, zu schreiben. Aber das einst so grandiose Opernhaus ist seit etlichen Jahren geschlossen. Und dennoch sind ganze Hundertschaften von Angestellten damit beschäftigt, diesen Stillstand zu ignorieren. Für den kritischen Beobachter aus der Schweiz wird dieses Schauspiel im Süden Italiens zu einer Erkenntnis und auch Herausforderung, in der er sich letzten Endes allerdings hoffnungslos verliert.

Ein Kammerspiel des Absurden auf großer Bühne

„L’Opera silenziosa ist der ultimative Film in Zeiten des Lockdown.
Das zwischenzeitlich restaurierte und dem Deutschen Filmerbe zugeordnete Frühwerk des Münchner Filmemachers Wolf Gaudlitz aus dem Jahr 1986 war nicht von vornherein als Tragikomödie angedacht. Vor fünfunddreißig Jahren erschien vielen diese Dokumentation südländischer Lebensumstände als ein kaum glaubwürdiges Schauspiel. Nun aber ist diese stilvoll inszenierte Groteske aus dem seinerzeit weitgehend von der Mafia bestimmten Leben in Palermo zu einem nachvollziehbaren cineastischen Beweis geworden. Der Bevölkerung der sizilianischen Metropole ist es mittlerweile gelungen, den Kampf gegen Mafia und Korruption weitgehend gewonnen zu haben. Aber vielleicht erst jetzt lässt sich auch im weit entfernt gelegenen Norden Europas erfahren, wie dramatisch sich das anfühlt, wenn Theater, Opern oder Lichtspielhäuser, Konzertbühnen, Kunstsäle schier unermesslich lang geschlossen bleiben.
In Palermo blieb eines der größten Theater der Welt, das TEATRO MASSIMO VITTORIO EMANUELE aus fadenscheinigen Gründen fast ein Vierteljahrhundert lang versperrt.
Es ist – egal wo auf der Welt – eine Tragödie, wenn den Künstlern nicht mehr der Raum gegeben werden will oder kann, den Kreativität notwendigerweise braucht, um sich und ihre Visionen vor Publikum artikulieren zu können.
Wenn dem nicht mehr so ist, droht eine Gesellschaft zu verkommen. Und das ist gnadenlos, nicht nur für die Künstler.

Der 1921 auf Sizilien geborene Giuseppe Di Stefano wäre im Juli hundert Jahre alt geworden. „Ein Film über das Teatro Massimo ohne mich…!?“ wäre für den Startenor undenkbar gewesen.“
(Wolf Gaudlitz)