FOKUS AUF POLEN: Lost and Found – Stummfilmvorführungen mit Live-Musik


Die Ausstellung „Stille Rebellen. Polnischer Symbolismus um 1900” (25.03.2022 – 7.08.2022) in der Kunsthalle München ist die erste Querschnittsausstellung polnischer Kunst in München. Ihr Thema ist das Junge Polen, eine Epoche, in der die Malerei, die Bildhauerei, die Literatur und der ästhetische Gedanke zu großer Blüte kamen. In der Ausstellung finden sich Arbeiten der wichtigsten polnischen Künstler der Jahrhundertwende, die u.a. mit Warschau und Krakau verbunden waren.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Ausstellung wird von einem Programm mit Stummfilmvorführungen mit Live-Musik begleitet, das vom Adam-Mickiewicz-Institut in Kooperation mit Theatiner Film, der Nationalen FilmothekAudiovisuelles Institut (FINA) und dem Pilecki-Institut Berlin organisiert wird, unter dem Titel „FOKUS AUF POLEN: Lost and Found”. Die Revue zeigt Werke, die Jahre lang als verloren gegangen galten, die auf wundersame Weise in Privatsammlungen bzw. ausländischen Filmarchiven wiedergefunden wurden. Die Auswahl zeigt – von den ältesten Wochenschauen, die die Leistungen der Entwicklung des damaligen Polen zeigen, über Kinohits jener Zeit wie Melodramen mit Pola Negri, über avantgardistische Experimente von Futuristen und Dadaisten – das ganze Spektrum von erstklassigem Filmschaffen in Polen in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.


Das Programm wird fortgesetzt:

22.05.2022, 11:00 Uhr

Einführung von Anna Bobczuk, Pilecki-Institut.

BESTIA (THE POLISH DANCER)
Regie: Alexander Hertz / 67 min. / 1917
Stummfilm auch als „Geliebte eines Schurken“. Das einzige polnische Werk mit Pola Negri, das bis heute im Ganzen überliefert ist, weil es einen ausländischen Filmvertrieb hatte. Der Film wurde in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Titel „The Polish Dancer“ gezeigt, in den 1960er Jahren wurde er im New Yorker Museum of Modern Art wiedergefunden. Die Karriere eines armen Mädchens im Showbusiness, die Gestalt der „Schurkin“, das fatalistische Schicksal einer amoralischen Frau und die Salon-Szenerie sind typische Elemente für das Melodrama der 1920er Jahre.

Zum Film spielen auf:
Szymon Mika und Yumi Ito – ein Duett von zwei ausgezeichneten Musikern der jungen Generation. Yumi Ito ist Vokalistin und Preisträgerin des prestigeträchtigen Wettbewerbs Montreux Jazz Festival. Sie hat fast ihr ganzes Leben in der Schweiz verbracht, hat aber polnische und japanische Wurzeln. Szymon Mika gewann 2015 den Ersten Preis beim Internationalen Jazzgitarren-Wettbewerb „Jarek Śmietana“, ein Jahr später er „Jazz-Hoffnung des Jahres“. In seiner Musik verbindet er Einflüsse von polnischer Folklore, experimenteller Musik, Jazz und freier Improvisation.

Im Anschluss:
EUROPA
Regie: Stefan und Franciszka Themerson / 12 min. / 1931


19.06.2022, 11:00 Uhr

Einführung von Dr. Małgorzata Zemła, Lektorin der Slavistik LMU München.

STARKER MENSCH
Regie: Henryk Szaro / 77 min. / 1929
Film von Henryk Szaro von 1929 auf Grundlage eines Romans von Stanisław Przybyszewski.
Der Film ging im Zweiten Weltkrieg verloren; erst 1997 wurde eine Kopie in Belgien wiedergefunden und er begann ein zweites Leben. Digital von der Nationalen Filmothek rekonstruiert weckte er die Begeisterung des Publikums und der Kritiker und wurde als eine der Spitzenleistungen des polnischen Kinos vor 1939 anerkannt.

Zum Film spielt auf:
Marek „Latarnik” Pędziwiatr – Komponist und anerkannter Synthesizer-Künstler. Produzent und Komponist. Bereits mehr als ein Jahrzehnt auf der Bühne. Populär wurde er durch Projekte wie EABS, Błoto bzw. Night Marks.

 
 

Im Anschluss:
EUROPA
Regie: Stefan und Franciszka Themerson / 12 min. / 1931


Sonntag 24.04.2022, 11:00 Uhr

Einführung von PD Dr. Anja Burghardt, Slavistik LMU München

EUROPA
Regie: Stefan und Franciszka Themerson / 12 Min. / 1931
Ein Film, um den Legenden kreisen. Er entstand in den Jahren 1931-1932 auf der Grundlage eines gleichnamigen futuristischen Gedichts von Anatol Stern – eines der wichtigsten Werke der literarischen Avantgarde der Zwischenkriegszeit. Er galt als im Krieg verschollen, im Jahr 2019 wurde er vom Pilecki-Institut Berlin im Bundesarchiv wiederentdeckt. Im Film „Europa“ kann man eine umfangreiche Palette experimenteller Regie-Tricks sehen, wie: umgekehrter Zeitraffer, Negative, Archivbilder, Animation von Gegenständen und vielfache Exposition. In der aktuellen, digital restaurierten Version wurde der Film um einen Soundtrack des Komponisten Lodewijk Muns bereichert.

TOUR DE POLOGNE
11 Wochenschauen / unterschiedliche Regisseure / Gesamtdauer: 80 Min. / 1913 – 1929
Reisen waren nicht nur Thema von Spielfilmen. Seit Beginn der Kinematographie waren landeskundliche Filme sehr beliebt, die auch in Polen entstanden. Die Auswahl von Produktionen aus der Sammlung von FINA zeigt uns polnische Städte und Ereignisse aus den Jahren 1913-1929. Die Revue wird eröffnet von der Expedition von Amundsen – eine scherzhafte Zeichentrickreklame für Schokolade. Wir präsentieren u.a. die ältesten erhalten gebliebenen polnischen Dokumentarfilme der Brüder Krzemiński, aber auch einen Filmbericht über den Besuch des Königs von Rumänien in Łańcut, bzw. Filme zum größten Event des Endes der 1920er Jahre – der Allgemeinen Landesausstellung in Poznań.

Zum Film spielt auf:
Mateusz Smoczyński Solo – Jazzgeiger, Komponist. Er hat über hundert Platten aufgenommen. Mitbegründer des Atom String Quartet. Er war erster Geiger beim amerikanischen Turtle Island Quartet (zweifacher Grammy-Gewinner). Im Jahr 2013 hatte er einen Gastauftritt bei der Aufnahme der Platte „After Blue“ der Vokalistin Tierney Sutton. Das Album war für den Grammy nominiert.

 
 
 
 


Images: courtesy of Themerson estate, FINA, Jerzy Szot, The Photographic Studio of the National Museum in Kraków, Kasia Stanczyk, Katarzyna Kukielka, H. Misiaczyk.