LES GARÇONS ET GUILLAUME, À TABLE (Maman und ich)

Frankreich 2013 – frz. O.m.U. – 85 Min. – Kamera: Glynn Speeckaert, SBC – Buch und Regie: Guillaume Gallienne, nach dem gleichnamigen Theaterstück von Guillaume Gallienne. – Mit Guillaume Gallienne, André Marcon, Françoise Fabian, Nanou Garcia, unter freundlicher Mitwirkung von Diane Kruger, Reda Kateb, Götz Otto.
„Jungs und Guillaume, zu Tisch!“ – seit Guillaume zurückdenken kann, werden er und seine Brüder mit diesen Worten von der Mutter zum Essen gerufen. Guillaume ist anders als die beiden älteren Söhne der Familie. Sehr zum Missfallen des Vaters interessiert er sich nicht für Sport und andere Jungsdinge. Guillaume ist auf Maman fixiert, die er über alles verehrt und der er jeden Wunsch erfüllen möchte. Und nach zwei Söhnen hätte sie doch so gern ein Mädchen gehabt! Also passt Guillaume die Realität immer mehr ihren Wunschvorstellungen an und schlüpft in die Rolle der Tochter, die Maman nie hatte …
Doch nach einigen Umwegen kommt auch für den heranwachsenden Guillaume die Frage: Wer oder was bin ich eigentlich? Wen darf, wen kann ich lieben? Bin ich schwul, wie Maman glaubt, oder was? Nach einigen komischen Probeläufen auf dem Parcours der sexuellen Möglichkeiten, die ihn nach Spanien, England und Deutschland führen, wird der junge Mann durch ein himmlisches Zusammentreffen endlich von allen seinen Zweifeln erlöst. Er – aber nicht Maman …
Berührend, hinreißend komisch, mit genauester Beobachtungsgabe, atemberaubender Wandlungsfähigkeit und selten feinem Humor erzählt der französische Autor, Regisseur und Darsteller Guillaume Gallienne seine eigene Geschichte vom Erwachsenwerden und der – auch sexuellen – Selbstfindung unter unglaublich komischen Bedingungen.
Das kuriose Mutter-Sohn-Verhältnis und die befreiende Abnabelung, bei der man jeden Schritt miterlebt und bis zum versöhnlichen Ende mitfiebert, sorgte in Cannes 2013 für Furore. In der „Quinzaine des Réalisateurs“ wurde der Film bejubelt, erhielt hymnische Kritiken und zwei Auszeichnungen, den Art Cinema Award und den Preis SACD des besten französischsprachigen Films der Reihe.